Let’s agree to differ
Sprache schafft Möglichkeiten – Sprache begrenzt.
Im Deutschen kennen wir eine vergleichbare Formulierung wie die der Titelzeile nicht. Frei und etwas ungelenk ließe sich übersetzen: ‘Lass uns darin übereinstimmen, dass wir unterschiedliche Meinungen vertreten.’
Für dieses Denken fehlt nicht nur eine elegante deutschsprachige Formulierung, sondern oft auch das entsprechende Denken dahinter.
Du magst Reggae und bei Hip-Hop stellt’s Dir die Nackenhaare auf? Toll. Bei anderen ist es umgekehrt. Ginge es im Leben darum, dass immer einer ‘Recht behält’, bliebe uns die Vielfalt irgendwann ganz verwehrt.
Nicht umsonst setzen sich viele Menschen für den Erhalt der Artenvielfalt ein. Meinungsvielfalt ist ebenso wertvoll, belebend und entwicklungsfördernd.
Der Gedanke, es müsse in einer Meinungsverschiedenheit immer einen Gewinner und einen Verlierer geben, macht auf lange Sicht alle zu Verlierern. Genau dieses Bestreben beobachte ich aber im Alltag und auch auf Twitter häufig bei Meinungsverschiedenheiten.
Meist ‘gewinnt’ der Stärkere – auf Twitter also nicht selten der, der mehr Leser (Follower) sammeln konnte. Selten habe ich beobachtet, dass die Followerzahl in direkter Korrelation zur Argumentationsfähigkeit des Meinungsvertreters steht.
Gerne darfst Du anderer Meinung sein. Gerne höre ich mir Deine Argumente an (und erinnere mich daran, wie ich selbst zu meiner Einstellung gelangt bin: http://tweettroy.wordpress.com/2009/11/06/meinung-um-jeden-preis/ ). Überzeugen sie mich nicht, auch wenn ich sie nachvollziehen kann, werde ich Dir sagen:
Let’s agree to differ.
Timeline-Kritik
Wo liegt der Fehler, wenn ich Tweets aus meiner Timeline kritisieren möchte?
In den letzten Monaten beobachte ich in meiner Timeline auf Twitter immer wieder einen vorhersehbaren Mechanismus bei Themen, die jeweils aktuell die Berichterstattung in sämtlichen Medien dominieren:
- Links mit Hinweisen zu Eilmeldungen, Augenzeugenberichte oder Retweets solcher, etc.
- In Tweets gefasste Emotionen zu den Geschehnissen
- Tweets, die die geäußerten Emotionen für unpassend halten oder die Person dahinter angreifen
- Erste Links mit Blogposts zum Thema (aktuelles, heiß diskutiertes Thema = viel Aufmerksamkeit), die ungezählte Kommentare generieren und zu Sekundär-Diskussionen auf Twitter führen
- Erste Meta-Tweets, die das Medium Twitter zur Bearbeitung und Diskussion für ungeeignet halten und mahnen, einen Gang runter zu schalten oder ganz zu schweigen
- Tweets die nach Meinung einiger (die sich etwas dazu zu sagen trauen) weit über das Ziel hinaus schießen
- Gegenreaktionen jeglicher Art (ich lasse mir nicht den Mund verbieten, blocke Euch alle, etc.)
- Die Tweets bezüglich des heiß diskutierten Themas werden mit schwindender Berichterstattung in den Medien seltener und ebben recht zügig ab, sobald die nächste Sau durchs Twitterdorf getrieben wird
Formspring.me – oder: gibt es dumme Fragen?
Der von mir sehr geschätzte Prof. Kurt Tittel gab mir anlässlich eines Privat-Seminars in Leipzig auf diese Frage einmal folgende Antwort: Es gibt keine dummen Fragen – es ist nur dumm die Möglichkeit zu fragen nicht zu nutzen. Demnach stammt vermutlich die Hälfte aller anonym gestellten Fragen auf Formspring.me von Herrn Prof. Tittel persönlich.
Ganz seiner Meinung bin ich übrigens nicht. Meiner Meinung nach gibt es schon saudumme Fragen (die sich bei Formspring kommentarlos löschen lassen). Aber viel häufiger tritt der Fall ein, dass eine günstige Fragemöglichkeit ungenutzt bleibt. Dabei lernen im Frage-Antwort-Spiel in der Regel sowohl der Fragende als auch der Befragte, wie Sascha Lobo in zwei Buchstaben als Antwort auf eine Frage feststellt:
Meinung um jeden Preis
Denkst Du schwarz/weiß?
Heute beim Lidl-Einkauf, genauer beim Warten an der Kasse, fällt mein Blick auf den Aufbau an Zigarren-Schachteln, die alle mit dem schmucken Aufkleber: „Rauchen kann tödlich sein“ verziert sind. Mein erster Gedankenimpuls: so’n Unfug! Einen Raucher schreckt das doch auch nicht ab. Im Gegenteil – der kommt sich noch hipper vor, wenn er so ein „gefährliches Hobby“ hat. Der zweite Gedanke: Aber wenn es nur einen einzigen Menschen vom Rauchen abhält dann hätte es schon einen Sinn. Und außerdem wirkt es vielleicht doch ein bisschen bei den „Noch-Nicht-Rauchern“.
Während ich also noch so hin- und her überlege (und immer noch an der Kasse warte) wird mir bewusst, wie oft ich innerlich eine solche „Diskussion“ führe, bevor ich mir eine Meinung bilde. Weiterlesen…
Mia Bernstein: Erdbeerflecken
Kennst Du den Plural von Liebeskummer?
Buchbesprechungen schüttle ich aus dem Ärmel. Das dürft Ihr Euch so vorstellen: Das Buch ist in zwei bis drei Stunden gelesen, die Besprechung in 20 – 30 Minuten geschrieben – fertig – nächste Aufgabe. – Wenn, ja wenn es um ein Fachbuch geht. Pro Jahr lese ich zwischen 100 und 300 Fachbücher. Auf je 100 bis 300 Fachbücher kommt ein Roman. Und genau hier beginnt das Problem der folgenden Buchbesprechung: im Lesen von Romanen hat mir manch 12jähriges Mädchen was voraus. Nun ist mir aber doch einer in die Hände gefallen, dessen Magie ich mich schon nach wenigen Seiten nicht mehr entziehen konnte und mochte. Er fordert eine Besprechung stärker ein, als die Klitschko-Brüder eine Revanche nach einer Niederlage durch einen Lucky Punch:
Twitter-Listen
Twitterst Du noch oder listest Du schon?
Die neue Listenfunktion auf Twitter erhitzt die Gemüter. Die Befürworter sehen sie u.a. als Organisationshilfe. Mit Hilfe der Listen – die vielleicht glücklicher als Gruppen bezeichnet worden wären, weil Listen für manche eine negative Konnotation haben – können die verfolgten Twitterer nach bestimmten gemeinsamen Merkmalen zusammengefasst werden. So können z.B. Listen für Arbeitskollegen, für Verwandte, für persönlich Bekannte oder nach Region, nach Geschlecht, nach Beruf, Hobby, etc. angelegt werden. Kreative Grafiker, die durch Wortakrobatik und Einfallsreichtum auffallen, finden Kategorien, die ihren ausgeübten Beruf nicht vergessen lassen: @formschub
Die Gegner bemängeln zum einen das Schubladendenken, das dem Erstellen einer Liste zugrunde liegt und zum anderen, dass die Listen nur eine weitere Möglichkeit des (meine werten Leserinnen mögen mir verzeihen) Schwanzvergleiches 2.0 darstellen. Erste Tweets verkünden bereits: „Hach, jetzt bin ich schon in 345.867 Listen – ihr seid ja alle verrückt.“ (Subtext: „Ich bin ja sooo beliebt.“).
Neue Twitter-Werbung: innovativ und ausbaufähig?
Was habe ich mit Luca Toni und dem FC Bayern zu tun?
Gerade nutze ich die bei mir arbeitstechnisch meist weniger effektive Mittagszeit, um einen Blogartikel über Experten und Pseudoexperten zu schreiben, da stolpere ich über etwas, das meine Schreibpläne ändert:
Unter normalen Umständen würde mir eine solche Meldung gar nicht auffallen, aber vor ein paar Tagen habe ich hier einen tweet von mir in merkwürdigem Kontext gefunden: Weiterlesen…
