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Twitter-Listen

2. November 2009

Twitterst Du noch oder listest Du schon?

Die neue Listenfunktion auf Twitter erhitzt die Gemüter. Die Befürworter sehen sie u.a. als Organisationshilfe. Mit Hilfe der Listen – die vielleicht glücklicher als Gruppen bezeichnet worden wären, weil Listen für manche eine negative Konnotation haben – können die verfolgten Twitterer nach bestimmten gemeinsamen Merkmalen zusammengefasst werden. So können z.B. Listen für Arbeitskollegen, für Verwandte, für persönlich Bekannte oder nach Region, nach Geschlecht, nach Beruf, Hobby, etc. angelegt werden. Kreative Grafiker, die durch Wortakrobatik und Einfallsreichtum auffallen, finden Kategorien, die ihren ausgeübten Beruf nicht vergessen lassen: @formschub

Die Gegner bemängeln zum einen das Schubladendenken, das dem Erstellen einer Liste zugrunde liegt und zum anderen, dass die Listen nur eine weitere Möglichkeit des (meine werten Leserinnen mögen mir verzeihen) Schwanzvergleiches 2.0 darstellen. Erste Tweets verkünden bereits: „Hach, jetzt bin ich schon in 345.867 Listen – ihr seid ja alle verrückt.“ (Subtext: „Ich bin ja sooo beliebt.“).

Nach dem Urinstrument – halt, das schreibe ich doch lieber so: nach dem Ur-Instrument des Twitter-Schwanzvergleiches, der Follower-Anzahl und dem etwas subtileren Instrument der Fav-Sterne nun also die Listen. Schnell wird sich herauskristallisieren, dass wahre Schwanzgröße (ich ahne schon, welche Leser, bzw. Anklicker & Nichtleser durch Google-Suche mir diese Passage einbringen wird) nicht allein daran bemessen wird, in wie vielen Listen man vertreten ist, sondern auch darin, wie viele Follower eine von mir erstellte Liste generiert; denn auch das ist möglich: Jeder kann der Liste eines anderen (sofern sie als public bzw. öffentlich gewählt wird) folgen. Aus der Sicht des einzelnen Twitterers können nun also nicht nur Follower für das eigene Geschreibsel (Tweets) gewonnen werden, sondern auch für eine von mir zusammengestellte Gruppierung von Schreiberlingen. (Nebenbei: Ein Twitter-Account macht einen nicht automatisch zum Schriftsteller).

Ein Problem was sich früher oder später bei dem Folgen von Listen anderer Leute ergeben dürfte ist die mehr oder weniger große Schnittmenge. D.H. die 30-Personen-Liste „Meine Lieblinge“ von Twitterer X beinhaltet vielleicht 10 Leute denen ich noch nicht folge und 10 weitere, die sich auch in der 50-Personen-Liste von Twitterer Y finden. Abonniere ich also die Listen von X und Y und wollte sie auch regelmäßig lesen, dann würden mir die Tweets einiger Twitterer dreimal begegnen: in meiner eigenen Timeline, in der Liste von X und in der Liste von Y. Ob das dann den Vorteil des Sortierens nach gemeinsamen Merkmalen aufwiegt, muss wohl jeder für sich selbst entscheiden.

Das alles klingt vielleicht zunächst etwas kompliziert, wird aber in wenigen Wochen für die etablierten Twitterer zum Alltag gehören, genauso wie das Faven irgendwann vor einigen Monaten seinen Siegeszug angetreten hat. Mittlerweile hat sich die Bedeutung der gelben Sterne einem größeren Benutzerkreis erschlossen. (favstar.fm, favotter, favrd, etc.)

Erfahrene Twitterer haben ausreichend Zeit, sich an jede weitere (z.T. durchaus sinnvolle) Funktion zu gewöhnen und sie verfügen über einen relativ großen Kreis an Kontakten im Twitter-Netzwerk, um sich bestimmte Details erklären zu lassen. Für einen Neuzugang verliert Twitter mit jeder neuen Funktion etwas von seinem ursprünglichen Charme: Account eröffnen, los-twittern, der Rest ergibt sich dann recht schnell.

Das schnelle Wachstum von Twitter ist untrennbar auch mit seiner Einfachheit verknüpft. Wer in den letzten Monaten die Kommentare zu Facebook auf Twitter gelesen hat, versteht was ich meine: vielen ist durch die unüberschaubare Funktionsvielfalt der Spaß an der Sache so sehr verleidet, dass Facebook-Accounts Spinnweben ansetzen oder gelöscht werden. Fairerweise will ich nicht unerwähnt lassen, dass sich auch auf Twitter ungenutzte Accounts in größerer Zahl finden lassen. Meine Prognose: je mehr Funktionen die Übersichtlichkeit erschweren, umso langsamer wird Twitter weiter wachsen und wichtiger noch: umso größer wird die Zahl der „toten“ Accounts.

Zurück zu den Twitter-Listen. Meine Meinung zurzeit ist folgende: Ich möchte alle, denen ich folge, auch lesen. Ein Grund, warum ich mittlerweile nur noch die Tweets von knapp hundert Twitterern lese. Habe ich mal eine Weile keine Zeit, möchte ich auch nicht gezielt bestimmte nachlesen: alle oder keinen. Für mich ist eine Sortierung in Listen also nicht sinnvoll, weil sie es für mich eher unübersichtlicher als übersichtlicher gestalten. Dann müsste ich noch mehr Tabs geöffnet halten, die ich zudem alle regelmäßig per Hand aktualisieren müsste (F5 oder „neu laden) solange Twitter die sinnvolle Funktion der automatischen Aktualisierung in der Web-Ansicht nicht einführt. Alternative wäre einer der Twitter-Clients, die auch eine Gruppenfunktion anbieten, wie z.B. Tweetdeck. Ich persönlich habe die Firefox-App Echofon (ehemals Twitterfox) installiert. Hier habe ich die Möglichkeit der Gruppenbildung nicht – für meine Zwecke brauche ich sie ja auch nicht.

Nachdem ich mich (nur für mich) gegen die Notwendigkeit von Listen ausgesprochen habe, stellt sich vielleicht die Frage, warum ich dann doch welche angelegt habe. Das ist leicht erklärt: Ich habe zwei Listen. Die eine beinhaltet nur ein Mitglied, kann streng genommen also gar nicht als Liste gelten und ist mit “Meine Nummer Eins” betitelt. Die andere heißt “Teil meines Lebens” Darin sind alle meine Followings (bis auf Zweitaccounts und favstar) enthalten – nicht, weil ich die Tweets jetzt über diese Liste lesen will – das mache ich auch weiterhin über Echofon als Ganzes, also die komplette Timeline. Der Grund dafür, alle meine Followings in eine Liste zu packen, ist ein anderer: Es ist eine Botschaft. Sie soll allen meinen Followings (also den Leuten, deren Tweets ich abonniert habe/lese) deutlich machen, dass sie einen wichtigen Stellenwert für mich haben. Für jeden Tweet, den ich lese, gebe ich einen kleinen Teil meiner Lebenszeit. Meine Lebenszeit ist das wertvollste, was ich überhaupt geben kann. Wer meine Timeline mit seinen 140-Zeichen-Botschaften bereichert, ist also auch ein wichtiger Bestandteil meines Lebens. Wäre es mir nicht wichtig, wüsste ich meine Lebenszeit anders einzusetzen.

Schon lange beteilige ich mich nicht mehr am so genannten Follow-Friday (das Thema wäre ebenso wie das Faven – also Sterne für gelungene, unterhaltsame, witzige oder informative Tweets verteilen – einen eigenen Blogartikel wert). Grundsätzlich kann ich aus meiner subjektiven Sicht jeden empfehlen, dem ich selbst folge.

Fazit: Ich glaube, dass wesentlich mehr Listen angelegt werden, als dann tatsächlich zum Lesen der Tweets auch genutzt werden. Wird die Liste aber gar nicht gelesen, erfüllt sie andere Zwecke. Z.B. (natürlich gehört in einen Blogpost über Listen auch eine Liste, die ich hiermit liebevoll “Listen-Liste” taufen möchte):

  1. Ich habe Dich auf einer meiner Listen, nimm Du mich doch auf eine Deiner Listen, dann habe ich eine höhere Zahl im Counter bei „listed“ und das macht mich wichtiger. (kurz: Schwanzvergleich 2.0).
  2. Ich folge einer Deiner Listen – folge Du doch auch einer meiner Listen. Dadurch haben meine Listen mehr Follower. Das macht mich wichtiger. (kurz: Schwanzvergleich 2.0)
  3. Ich habe Dich in die Gruppe „Schnuckipüppis“ sortiert – ich mag Dich. – Magst Du mich denn auch? (Ob man anhand der Tweets und eventuell DMs einer Person auf Twitter wirklich von gegenseitigem Mögen sprechen kann? – Wieder ein eigenständiges Thema für einen – bestimmt sehr interessanten – Blogartikel.)
  4. Ich bin kreativ und nutze das mir an die Hand gegebene Instrument auf unerwartete Weise. (z.B. @schlenzalot , @formschub )
  5. Ich habe mehr Listen als Du Follower – noch Fragen? (Ihr wisst schon: SV 2.0)

Punkt 3 klingt beim ersten Lesen nicht so positiv, ist aber der Punkt, dem ich am ehesten etwas abgewinnen kann. Wer Twitter geschäftlich nutzt, wird als Label oder Schublade eben nicht Schnuckipüppis sondern PR-Profi, Social-Media-Expert etc. verwenden. Auch darin ist eine Botschaft verpackt: Für mich bist Du ein Könner in Sachen PR. (Vielleicht findest Du mich ja auch in irgendetwas gut und magst das in einer Listenzugehörigkeit zum Ausdruck bringen). Natürlich muss dieser zweite Teil der Botschaft nicht Bestandteil des Gedankenganges sein. Für mich selbst behaupte ich das (selbstverständlich! ;) ) auch: Meine Komplett-Liste “Teil meines Lebens” soll keine Ausgleichsbestrebung bewirken. Es soll einfach sagen: Mir gefällt, was Du schreibst, wie Du (hier auf Twitter erkennbar) denkst, wie aufmerksam Du manche meiner Tweets wahrgenommen hast, wie lieb Du auf etwas reagiert hast, etc. Nicht mehr – aber auch nicht weniger.

Falls Euch noch was einfällt, was ich in meiner Betrachtung dieser neuen Funktion übersehen habe – Vorteile ebenso wie Nachteile – freue ich mich über einen Kommentar. Sollte der Kommentar nicht sofort freigeschaltet werden liegt das daran, dass ich nicht hauptberuflich blogge oder twittere.

P.S. Etwas Gutes hat dieser Listen-Kram auf jeden Fall: Auf meiner Profilseite steht jetzt in dem Listen-Balken unter meinem Profilbild: “That’s you!” (endlich sagt mir mal jemand wer ich bin) Schön, dass Twitter meine Selbstfindung auf so wunderbare Weise unterstützt.

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25 Kommentare leave one →
  1. 2. November 2009 6:30 nachmittags

    Dein Beitrag untermauert meinen Verdacht, dass es mehr ehrliche “geheime” Listen als “öffentliche” gibt.
    Ich bin im RL ein echter Listenfreak, aber die Twitterlisten überzeugen mich nicht. Abgesehen davon sind sie äusserst mühsam anzulegen. Meine eigene Übungs-Kennenlern-Liste staubt ungenutzt vor sich hin.

  2. 2. November 2009 6:47 nachmittags

    Sehr gut geschriebe, vielen Dank dafür!
    Judith

  3. 2. November 2009 7:31 nachmittags

    interessant. der einzige nutzen dieser listenfunktion, der sich mir sogleich glamourös erschloss, war die möglichkeit, nun endlich auch jene fragwuerdigen informationsstraenge verfolgen zu koennen, die mich in der timeline zwar stören wuerden, in all ihrer ejakulatösen huelle und fuelle, die ich bei gelegenheit aber durchaus gerne mit meinen augen bewerfen wuerde, so genuegend zeit vorhanden.. also vor allem twitteraccounts zu bestimmten themen oder verortungen, die einen nur zeitweilig interessieren und in denen man jetzt nicht 24/7 schwelgerisch sein antlitz waelzen moechte…

    möglichkeit zur vielfältigeren twitter usage also, kind of.. ich werf’ da also jetzt erstmal rein provisorisch ein paar handelsübliche konfetti drauf..

    • 2. November 2009 7:39 nachmittags

      Haha – hab’ Deinen Kommentar jetzt fünf Minuten nach dem Stern abgesucht, um ihn zu faven. Nicht nur sprachlich, auch inhaltlich eine schöne Erweiterung des Themas. Dankeschön.

  4. 2. November 2009 7:53 nachmittags

    siehste, bei mir ist das genau umgekehrt: meine listen (bisher nur eine) sind privat, und sie geben mir die chance, tweets der anderen tatsächlich wieder zu lesen, ohne jemanden ausgrenzen zu müssen, indem ich ihm nicht folge, weil die timeline zu unübersichtlich wird. ich hatte mir (wie viele andere) bereits einen zweitaccount zum nur-lesen angelegt, der durch das neue listen-feature überflüssig wurde. denn es gibt einen “harten kern”, dessen beiträge ich regelmäßig verfolgen will,während ich aus zeitgründen nicht mehr in der lage bin, alle tweets in meiner timeline zu verfolgen. insofern gilt für mich: listen ja, bitte, erspart mir den “leseaccount”, aber meine nicht öffentlich, eben damit sie nicht wieder als beliebtheits-messgerät missbraucht werden.

    jedenfalls sehr schöner, differenzierter beitrag – vielen dank dafür!

  5. quarkkalibur Permalink
    2. November 2009 7:55 nachmittags

    kann es nicht sein, dass diese listen wieder vorübergehen?
    im moment ist es doch nur ein spielzeug.
    und das bleiben sie auch, hoffen wir alle :-)

    • 2. November 2009 8:05 nachmittags

      ich finde die im gegenteil ein extrem nützliches feature. mal ehrlich: jeder, der mehr als 50 followt, hat doch sonst keine chance, noch alle tweets in der timeline zu lesen, und die leute, die man wirklich ständig lesen will, alle einzeln anklicken ist auch keine lösung. tweetdeck z. b. bot auch so ein listenfeature, aber da wurden immer nur die letzten x tweets angezeigt. ich habe lang auf das feature gewartet und hoffe doch sehr, dass es bleibt. wie macht ihr es denn, wenn ihr nur begrenzte zeit habt, aber wenigstens verfolgen wollt, was euer “harter kern” treibt? und jetzt sagt mir nicht, dass ihr keine unterschiede innerhalb der followees macht!

      • 2. November 2009 8:17 nachmittags

        Für mich kann ich schon behaupten, dass ich keine Unterschiede mache. Deshalb folge ich zurzeit “nur” 94 Leuten (wobei das mit den Leuten bei manchen Avataren auch nicht sicher ist ;) ).

        Wenn ich die Tweets einer Person regelmäßig überlese, dann entfolge ich sie lieber. Ob das politisch korrekt ist, wäre Thema für einen weiteren Blogpost. Aber ich weiß, dass ich mit zusätzlichen Listen sonst doch wieder mehr Zeit einsetzen würde. Die nutze ich dann lieber anderweitig.

      • 2. November 2009 10:10 nachmittags

        das habe ich zwar eine zeitlang auch gemacht, aber manchmal habe ich doch mehr zeit und lese alles – das lese-interesse schwankt auch von zeit zu zeit, da sind die listen ein flexibleres werkzeug als unfollow, weil ich einige ja doch nicht ganz aus den augen verlieren will. wer mich gar nicht interessiert, schafft es gar nicht erst in der liste der leuten, denen ich folge, aber seit es die listen gibt, bin ich doch etwas großzügiger geworden, was das angeht.

  6. Schallalala Permalink
    2. November 2009 8:11 nachmittags

    tja. ich habe noch keine liste, da ich aber mehr als 200 leuten folge, werde ich bestimmt auch eine anlegen, allerdings nur mit leuten, die informationen (politisches, kunst, medien etc.) zwitschern und diese liste wird privat sein.

    die meisten denen ich folge sind witzig, clever und sie twittern privates, banales, oder gar kurzgeschichten. diese leute einzuteilen ist für mich nicht nur unmöglich ich finde das auch falsch.
    hinzukommt, du hast es schon erwähnt, dieser kindergarten, von wegen folgst du mir folg ich dir, favst du mich fav ich dich.
    die leute, die sich auf lesungen zb kennenlernen “stecken alle unter einer decke”, sprich sie empfehlen sich nicht nur freitags gegenseitig, sondern dauernd, faven jeden tweet.
    wenn man wie ich tatsächlich interessiert ist, wissen will wer jemand ist, was er denkt usw. wird das immer anstrengender, leider…
    statt andauernd ÜBER twitter zu reden (und übers folgen/entfolgen, faven und listen) bitte wieder einfach mehr twittern.

    wenn ich ein beispiel nennen darf: @tochtervon !

    sie schreibt was sie eben schreibt, denkt und fühlt. sie antwortet fast nie auf replies, empfiehlt ab und zu andere und ansonsten schreibt sie einfach und hat es so geschafft über 2000 follower zu erreichen.

    es geht also auch ohne schleimerei, das ist nicht böse sondern ehrlich gemeint.

  7. 2. November 2009 8:23 nachmittags

    Hollera der Herr,

    Diese Listen kommen im wahrsten Sinne des Wortes listig daher.
    Zuerst das Kuddelmuddel, dass nicht jeder diese Funktion zur Verfügung hatte, was bei einigen scherzhaft (und bei einigen wohl auch ernstgemeint) zu einer Tirade gegen die vermeintliche Zweiklassengesellschaft bei Twitter geworden ist.

    Den von Dir beschriebenen Schwanzvergleich (wer ist in mehr Listen drin = wer ist beliebter) habe ich ignoriert und werde es auch weiterhin überlesen.

    Nachdem nun jeder die Listenfunktion hat und die ersten auch fleißig welche angelegt haben war ich (und bin immer noch) irritiert, dass ich mich in einigen Listen befinde, deren Follower jetzt meine Beiträge lesen können und zwar ohne, dass sie mir persönlich folgen (Das ist immer noch ein wenig, als würde mir jemand heimlich beim Tweeten über die Schulter linsen).

    Mittlerweile habe ich mich ein wenig mit der Funktion der Listen auseinandergesetzt und habe selber die ersten Listen angelegt (eine für Bots & Co, eine für englischsprachige Infotwitterer und weitere private Listen).
    Da ich selber wie Du nur wenige Leute habe, denen ich folge (101) versuche auch ich alles zu lesen, was diese Verfolgten von sich geben. Trotzdem bin ich von Natur aus neugierig und möchte auch wissen, was die Leute tippen, welche sich für meine Tweets interessieren, daher habe ich diese noch überschaubare Truppe (ca. 200 Accounts) in eine Liste gepackt und schaue – sofern Zeit vorhanden – dort hinein.

    1. Ich entdecke so eventuell Leute, denen ich dann doch folgen möchte.
    2. Ich habe so ein Tool, um nachzusehen, wer mich entfolgt hat / nicht mehr da ist.
    3. Ich kann erkennen, ob meine Follower Twitterer von Format sind (also echte Personen, die etwas zu erzählen haben), oder Werbespammer, die ich dann im Nachhinein blocken kann, da ich selber lieber nur 100 Follower habe, die sich tatsächlich für das zu interessieren scheinen, was ich tippe, als 500 oder noch mehr Nicknames, die in Wahrheit zu über 50% aus Müll bestehen).

    ein die Listen nicht verteufelnder und nur für spezielle Nutzungen lohneswert findender und aufgrund der Beibehaltung der Twittersimplizität gerne auch wieder darauf verzichten könnender und hier anstatt eines Kommentars mal eben einen Miniblogeintrag als Antwort verfasst habender und sich für diese Zeichenfülle entschuldigender Ausserirdischer

    • 2. November 2009 8:52 nachmittags

      Ach lieber Herr Ausserirdischer,

      über die Zeichenfülle Ihres geschätzten Kommentars freue ich mich doch.
      Zu dem mehrstufigen Einführungsprozedere der Twitter-Listen schreibe ich gerne noch ein paar Worte:

      Die ersten Twitterer, die exklusiv Zugang zur Listenfunktion erhielten, waren so genannte Premium-Twitterer. Ihnen gemein ist, dass sie über eine hohe Follower-Zahl und mit großer Wahrscheinlichkeit über eine ausgeprägte Dominanz-Instruktion verfügen. Somit bedient die „Sonderbehandlung“ durch den vorzeitigen Zugang eines ihrer wichtigsten Bedürfnisse.

      Im Gegenzug suchen sie auf unbewusster Ebene einen Ausgleich für diese Bevorzugung, was sie dazu veranlasst, tendenziell positiv über das neue Feature zu berichten. Das funktioniert nicht in jedem Einzelfall, ist aber in der Gehirnforschung seit langem bekannt und wird in Werbung und Marketing seit geraumer Zeit erfolgreich praktiziert.

      Die positive Berichterstattung schürt wiederum bei der Mehrzahl der Leser eine positive Erwartungshaltung. Auf diese Weise lassen sich Features erfolgreich einführen, die bei einem sofortigen kollektiven Zugang ein viel höheres Risiko des Scheiterns, verbunden mit einer größeren Anzahl negativer Kommentare, gehabt hätten.

  8. 2. November 2009 8:35 nachmittags

    Mmmhh, also bei ca. 800 Verfolgten würde ich ca. 3-4 Stunden brauchen um alle in entsprechenden Listen einzuordnen (nur mal angenommen, ich würde mir für jeden 15 Sekunden Zeit nehmen!) Tatsächlich dauert es aber sicher viel länger, denn ich müsste mir ja immer mal wieder die Timelines ansehen umd mich u.U. zu erinnern, wer da überhaupt twittert. Wahnsinn! Wer hat denn soviel Zeit für solche Spielchen? Wieviel Zeit habt ihr dafür aufgewendet?
    Mit Tweetdeck habe ich ja schon längst meine Gruppen organisiert – reicht mir persönlich vollkommen – wenn die Twitter-Listenfunktion schon von Anfang an dagewesen wäre, dann vielleicht …
    Das Überlappen-Argument finde ich auch stichhaltig. Einzig schön ist an den Listen, dass man spinxen kann, wie und wem die anderen so folgen. Wenn man die dann wenigstens alle auf einmal importieren könnte, das wär’ was.
    Aber das Hauptproblem, wenn man nicht gerade mit Twitter anfängt – ist halt der Zeitaufwand. My 2 cents :-)

  9. Theo Permalink
    2. November 2009 9:06 nachmittags

    Mal doof gefragt, klaut einem das Feature nicht Follower, wenn man nur noch über Listen verfolgt wird?

  10. numberfivealive Permalink
    2. November 2009 10:21 nachmittags

    Ich glaube nicht, wie Quarkkalibur, dass die Listen eine vorübergehende Erscheinung sind. Sie sind wohl eher ein Testballon in Richtung eines sich rechnenden Microbloggingdienstes. Listen, Werbung – das zielt alles auf das Erreichen einer immer größeren Menge von Leuten/Kunden ab.
    Du hast das sehr gut am Beispiel der Premium-Twitterer dargestellt.
    Für den nicht an Marketing interessierten Twitterer mit einer überschaubaren Zahl von Verfolgten (169 in meinem Fall, davon ca. 40 extrem wenig Twitterer) ist das Anlegen von Listen zum einen zeitaufwändiger Unsinn, zum anderen widersetze ich mich jeder Schubladisierung.
    Die Anarcho-Listen von @schlenzalot, @formschub und anderen sind daher nach meinem Geschmack.
    Dazu kommt noch, dass ich meine Chaos-timeline liebe, ich will sie gar nicht geordneter. Ich lese sicher nicht jede timeline eines von mir Verfolgten jeden Tag, aber man merkt an einzelnen tweets doch eine Stimmungslage und schaut sich daraufhin die/den eine(n) oder andere(n) intensiver an.
    Natürlich besteht die Gefahr, dass man, wenn man wenig Leuten folgt und diese ähnliche Profile haben oder einen ähnlichen Humor, in sogenannten echo chambers landet. Ich nehme nur noch einen sehr begrenzten Teil des “Angebots” wahr. Dies könnten Listen zum Teil aufbrechen.
    Aber da bin ich ein Kohlhaas: Dies sind meine Pferde nicht!
    Und bei allem Unwohlsein gegenüber diesen Listen: Freude darüber, zu deinem Twitter-Life zu gehören, empfinde ich dann doch…

  11. 3. November 2009 12:46 nachmittags

    Twitterlisten anzulegen ist mir viel zu mühsam. Da finde ich das kurz zuvor entdeckte Tweetdeck viel besser. Und ich bin auch jemand, dem es völlig wurscht ist, wie “beliebt” sie ist. D.h. ich lösche/blocke Twitter-Sammler, die inhaltlich nichts zu bieten haben, aber sich an Tausend Accounts dranhängen, sowieso regelmässig aus meinen Followern, auch wenn die Zahl dadurch niedrig bleibt.

  12. 3. November 2009 12:54 nachmittags

    Über den inhaltlichen Sinn oder Unsinn der Listen möchte ich mich hier weiter auslassen, denn die Argumente sind von allen schon dargelegt. Für mich ist es entscheidender, dass Twitter mit diesen Listen ein weiteres Feature hinzugefügt hat, dass an dem scheinbar menschlichen Grundbedürfnis nach Anerkennung und Messbarkeit eben dieser kratzt. Es geht um Quantität der Follower und Listen und nicht um die Qualität der Tweets. Die Qualität können nur die geneigten Leser der Tweets bewerten. Warum also nicht die Zahl der Antworten auf einen Tweet und die Retweets messen und öffentlich machen. Wenn ich auf Tweet einen Retweet sende, so ist er mich von Bedeutung und der Autor ebenfalls, weil er mein Leben für diesen Augenblick bereichert hat.

    • 3. November 2009 4:41 nachmittags

      Allein die Zahl der @replies (und RTs) ist meiner Meinung nach kein geeignetes Mittel, eine Aussage über die Qualität der Tweets zu erhalten.
      Schreibt jemand etwas bewusst provozierendes z.B. “Hartz 4 Empfänger sind alle faul.” wird er trotz der unterirdischen Qualität seines Tweets viele Reaktionen auslösen.

      Ein Instrument zur Bewertung der Qualität gibt es vielleicht schon: Die Fav-Sterne. Kaum jemand benutzt sie als Lesezeichen/Bookmark.
      Die http://favcharts.de/ und andere liefern das passende Mess- und Vergleichsinstrument. Darüber, ob sich durch die Favcharts die Qualität der Tweets gesteigert hat, lässt sich sicher diskutieren. Auf jeden Fall nutzen immer mehr Twitterer die Möglichkeit, den Stern rechts oben im Tweet gelb leuchten zu lassen, wenn sie der Meinung sind, dass der Tweet unterhaltsam, witzig, informativ oder auf irgend eine Weise bereichernd ist.

  13. 3. November 2009 1:12 nachmittags

    Mit den Listen bei Twitter verhält es sich wie mit der Musikgeschichte. Bands, die uns vor 15 Jahren noch total verschieden vorkamen, klingen heute sehr ähnlich. Siehe Beastie Boys und Urban Dance Squad.
    Genauso ist es mit den Listen bei Twitter. Damit wird Twitter dreidimensional und wie im Artikel erwähnt, sollten Sie vielleicht eher Gruppen heissen.
    Die großen sozialen Netzwerke gleichen sich an. Twitter wird jetzt ein wenig zu Facebook. Und die weitere Entwicklung wird zeigen, dass der jetztige Status nur eine Übergangsphase in einen weiteren Status dartstellt. In der Rückschau wird uns einigen Jahren der Unterschied zwischen den heutigen Social Networks nicht mehr auffallen. Ich find, die Listen gut, sie erlauben mir unterschiedliche Themen zu unterschiedlichen Zeitpunkten anzuschauen. Tools wie Twitzap haben mir das immer schon auch über Hashtags ermöglicht.

  14. hjom Permalink
    3. November 2009 8:50 nachmittags

    Ich liste nicht. Aber irgendwie ist es spannend, in welche Liste man bei den Gefolgten landet…So bin ich etwa in der Liste “schmetterlingsfink”.

  15. 4. November 2009 9:02 nachmittags

    Danke für diesen Beitrag! :) Ich persönlich halte von diesem Listendenken auch nicht besonders viel. Ich verstehe auch nicht, warum das unbedingt nötig ist. Ohne Listen ist doch die ganze Twitterei auch nicht schlecht ;)

  16. 10. November 2009 11:15 vormittags

    Ja, ich bin doof, aber wo findet man bei den Beiträgen denn den Permalink? ;-) )

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